Tipps und Tricks
Verpasste Chance im Libanon
Seit die Syrischen Truppen den Libanon im März 2005 verlassen haben, bildet die Hisbollah im Süden Libanons einen Staat im Staat.
 |
|
.
| Anhänger der Hisbollah demonstrieren in Beirut |
Bild: rue |
Anfang 2005 verliessen die Syrier als letzte fremde Truppen den Libanon. Nach anhaltenden Protesten gegen die Fremdbesetzung nach dem Attentat auf Rafik Hariri sahen sich die östlichen Nachbarn gezwungen, ihre Soldaten und mit ihnen einen grossteil der Geheimdienstmitarbeiter aus dem Zedernland abzuziehen.
Seither regiert in Beirut eine Koalition aus Vertretern aller Bevölkerungsteilen, der Schiiten, Sunniten, Maroniten (Christen), Drusen und Vertreter der schiitischen Hisbollah-Miliz.
Die Regierung in Beirut herrscht über weite Teile des Landes. Ausnahme sind der Süden und einige Gebiete im Norden Libanons, die unter der Kontrolle der Hisbollah stehen. In diesen Gebieten gibt es keine Präsenz der libanesischen Armee. Am letzten Kontrollpunkt werden Besucher darauf aufmerksam gemacht, dass sie das von der Armee kontrollierte Gebiet verlassen.
Zwar gibt es laufend Bestrebungen, die Macht der Hisbollah einzuschränken, aber die Partei will ihre Waffen nicht abgeben, bis Israel die Cheeba-Farmen zurückgegeben hat. Die Regierung schafft es (nicht zuletzt wegen der Beteiligung der Hisbollah) nicht, eine Kontrolle über diese Gebiet zu übernehmen, geschweige denn die Hisbollah zu entwaffnen, ohne einen erneuten Bürgerkrieg zu entfachen.
Nach gut einem Jahr des Gewähren-Lassens hat sich diese zurückhaltende Politik gerächt. Die Hisbollah hat mit einem Angriff und der Entführung zweier israelischer Soldaten im Juli 2006 die Geduld der Israelis überstrapaziert und das ganze Land in einen Krieg gestürzt. Jetzt liegt die versäumte Entwaffnung der letzten verbliebenen Miliz im Libanon nicht mehr in den Händen der Regierung, sondern in der Macht Israels und allfälliger multinationaler Truppen, die den Südlibanon kontrollieren sollen.
Beat Rüdt
|